Dissertationsvorhaben
Arbeitstitel: "Die Digitalisierung der Landwirtschaft - eine wissenssoziologisch-diskursanalytische Rekonstruktion"
Mit den Bezeichnungen ‚Landwirtschaft 4.0‘ oder ‚Digital Farming‘ wird eine Stufe der landwirtschaftlichen Produktion bezeichnet, welche an bisherige Systemtechniken in der Landwirtschaft anschließt und weitere Elemente und Infrastrukturen ergänzt (u.a. Robotik, IoT, Automation, KI). Dieser auch als Digitalisierung der Landwirtschaft bezeichnete Prozess wird von unterschiedlichen Akteuren vorangetrieben und mit einer Semantik der ‚Zukunftsfähigkeit‘ verknüpft: so verspricht sie etwa Produktivitätssteigerungen bei gleichzeitiger Förderung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit unter zunehmend herausfordernden Produktionsbedingungen. Akteure aus der Politik treiben die Digitalisierung in der Landwirtschaft durch die Förderung von Forschung und Entwicklung voran, während Agribusiness- und BigTech-Unternehmen bereits mit eigenen Plattformen am Markt präsent sind und landwirtschaftliche Interessenvertretungen auf die Chancen und Risiken digitaler Technologien hinweisen. Für landwirtschaftliche Betriebe sind Digitaltechnologien jedoch u.a. mit hohen Investitionskosten verbunden, sodass Digital Farming in der Praxis eher „als eine noch nicht eingelöste Zukunftsvision“ (Dietzsch 2023: 32f.) gedeutet werden kann.
Das Phänomen Digitalisierung der Landwirtschaft konzeptualisiere ich als diskursive Arena, in der Akteure um die Ausgestaltung des eingeschlagenen Pfades und somit um die künftige Gegenwart (vgl. Esposito 2016: 32) konkurrieren. Ich widme mich dem Phänomen sowohl aus einem historisch-genealogischen Erkenntnisinteresse als auch mit Fokus auf die gegenwärtige diskursive Konstruktion. Methodologisch und forschungspraktisch orientiert sich die Arbeit an situationsanalytischen Diskursforschungen von Clarke/Friese/Washburn (2018) sowie der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) von Keller (2007).